Die Idee ist notiert. Beim nächsten Blick darauf ist aber noch unklar, wie es weitergehen soll: Was müsste jemand prüfen? Welche Rückmeldung würde helfen? Und wer kümmert sich darum?
Stellen Sie sich folgende Situation vor: In einer Besprechung schlägt jemand vor, Kundenanfragen vor dem ersten Gespräch besser vorzubereiten. Der Vorschlag landet in der gemeinsamen Ablage. Als Sie ihn später wieder öffnen, steht dort nur: „Kundenanfragen besser vorbereiten.“ Das ist ein erfundenes Beispiel. Es zeigt die Frage, um die es hier geht: Was braucht eine Notiz, damit Sie mit ihr weiterarbeiten können?
Eine erste Fassung schafft etwas, das Sie beurteilen können
Bei der Entwicklung meines Buchs „50+ IP Hacks“ stand ich vor einer konkreten Aufgabe. Für die IP Service World 2021 wollte ich fachliche Gedanken aus meiner Dienstleistungspraxis greifbar machen. Ich stellte bereits geteilte Fachbeiträge zu einer ersten Fassung zusammen. Kurz vor der Messe ließ ich sie im Copyshop drucken und faltete die Umschläge selbst.
Diese erste Fassung genügte meinem Qualitätsanspruch noch nicht. Ich entschied mich, sie zum Buch weiterzuentwickeln, und lud befreundete Fachleute ein, Beiträge beizusteuern. Dabei ging es auch um Aspekte, zu denen andere mehr Wissen beitragen konnten als ich.
Für mich liegt der Bezug zur Ideenarbeit in dieser Entscheidung: Ich hatte eine Fassung vor mir, konnte sie beurteilen und entschied, was ich weiterbearbeiten wollte und wofür ich andere brauchte. Das ist meine Erfahrung mit diesem Buch. Für Ihre eigene Idee stellt sich eine andere, konkrete Frage: Was müssen Sie zunächst ausarbeiten, damit Sie den nächsten Schritt beurteilen können?
Vier Fragen machen die Idee besprechbar
Ich nutze dafür vier Fragen: Welches Problem betrifft die Idee? Welches Ziel verfolgt sie? Wie soll sie funktionieren? Welches Beispiel macht sie verständlich? Die Antworten müssen noch nicht vollständig sein. Sie sollen zeigen, was Sie meinen und was noch offen ist.
1. Welches Problem möchten Sie bearbeiten?
Beschreiben Sie die Situation, die Sie verändern möchten. Im gedachten Beispiel könnte die Vermutung lauten: Im ersten Kundengespräch fehlen Informationen, die anschließend nachgefragt werden müssen. Halten Sie auch fest, worauf diese Vermutung beruht. Gibt es konkrete Fälle, oder ist es zunächst Ihr Eindruck? So bleibt die vermutete Schwierigkeit von einem bereits festgestellten Problem unterscheidbar.
2. Was möchten Sie erreichen?
Formulieren Sie, was nach einer Veränderung anders sein soll. Hier könnte das Ziel sein, vor dem Gespräch die Informationen verfügbar zu haben, die für den nächsten Bearbeitungsschritt gebraucht werden. „Bessere Vorbereitung“ bekommt damit eine Richtung. Ob diese Vorbereitung tatsächlich hilft, bleibt zu prüfen.
3. Wie könnte die Idee funktionieren?
Beschreiben Sie den vorgesehenen Ablauf. Im Beispiel könnte eine kurze Abfrage vor dem Gespräch die benötigten Informationen erfassen. Wer beantwortet sie? Wer liest die Antworten? Was geschieht mit fehlenden Angaben? Damit wird sichtbar, welche Annahmen hinter dem Vorschlag stehen. Ein beschriebener Ablauf ist noch kein Nachweis, dass er im Alltag funktioniert.
4. Welches Beispiel macht die Idee verständlich?
Gehen Sie einen konkreten Fall durch: Eine Anfrage kommt an, die Abfrage wird verschickt, die Antworten liegen zum Gespräch vor. Was kann die zuständige Person damit anfangen? Ein solches Beispiel hilft Ihnen, den Ablauf zu erklären und Unklarheiten zu benennen. Es ersetzt die Prüfung an tatsächlichen Anfragen nicht.
Der nächste Schritt beantwortet eine offene Frage
Nach diesen vier Fragen empfehle ich Ihnen, die wichtigste Unklarheit auszuwählen. Im Beispiel wäre das zunächst: Welche Angaben fehlen tatsächlich, und werden sie für die Bearbeitung gebraucht? Bevor Sie eine neue Abfrage ausarbeiten, könnten Sie die Person, die Kundengespräche führt, bitten, dies anhand vorhandener Anfragen zu prüfen. Erst danach lässt sich sinnvoll besprechen, welche Angaben eine Abfrage enthalten sollte.
Verbinden Sie den Prüfschritt mit einer verantwortlichen Person und einem Zeitpunkt, zu dem Sie die Rückmeldung gemeinsam ansehen. Halten Sie fest, welche Frage beantwortet werden soll. „Idee weiterverfolgen“ lässt den Auftrag offen; „fehlende Angaben in vorhandenen Anfragen prüfen“ beschreibt eine bearbeitbare Aufgabe.
Es kann sich dabei herausstellen, dass eine andere Richtung sinnvoller ist. Vielleicht liegen die Informationen bereits vor, werden aber vor dem Gespräch nicht gefunden. Dann wäre die Ablage zu prüfen, bevor Sie Kunden zusätzliche Fragen stellen. Auch das bleibt hier ein hypothetischer Verlauf, kein Bericht über ein Kundenprojekt.
Weiterarbeit braucht auch einen Abschluss
Beim Schreiben kläre ich vorab, wann eine Buchfassung fertig sein soll. Weitere Gedanken müssen nicht immer noch in dieselbe Fassung aufgenommen werden.
Für Ihre Ideenarbeit empfehle ich entsprechend: Bestimmen Sie, wann der jetzige Arbeitsschritt seinen Zweck erfüllt hat. Eine geprüfte Annahme oder ein verständlicher Entwurf kann zunächst genügen. Danach können Sie begründet weiterarbeiten, die Richtung ändern oder das Vorhaben beenden. Fragen Sie dafür, was die Rückmeldung verändert hat und ob der verfolgte Zweck unter den heutigen Bedingungen noch sinnvoll ist.
Nehmen Sie eine Idee, bei der die Weiterarbeit stockt: Können Sie Problem, Ziel, Funktionsweise und Beispiel erklären? Welche Frage bleibt danach offen? Und wer übernimmt den Schritt, der genau diese Frage klärt?