Eine KI liefert Ihnen mehrere technische Lösungsvorschläge. Welcher davon verdient weitere Arbeit? Für diese Entscheidung brauchen Sie ein klar beschriebenes Problem, nachvollziehbare Annahmen und eine Vorstellung davon, wie sich ein Vorschlag prüfen lässt.
Hier geht es um technische Ideenarbeit innerhalb des Innovationsprozesses: vom ersten Problemverständnis bis zur Entscheidung, welche Lösungsidee Sie vertiefen oder testen. KI kann Entwürfe und Suchrichtungen beitragen. Die Verantwortung für Randbedingungen, Auswahl und fachliche Prüfung bleibt bei den Menschen, die das Problem und seinen Anwendungskontext beurteilen.
Beginnen Sie mit der Frage, die gelöst werden soll
„Erfinde eine bessere Lösung“ lässt vieles offen. Was soll sich verbessern? Woran erkennen Sie die Verbesserung? Was darf sich dabei nicht verschlechtern? Welche Daten liegen vor, und was vermuten Sie bisher nur?
Halten Sie vor der Variantenarbeit eine kurze Aufgabenbeschreibung fest: die gewünschte Funktion, das beobachtete Problem, die geltenden Randbedingungen und die offenen Fragen. Trennen Sie Beobachtungen von Erklärungsversuchen. Eine vermutete Ursache sollte auch im nächsten Prompt als Vermutung erkennbar bleiben.
Das ist eine erste menschliche Entscheidung: Welche Aufgabe geben Sie der KI tatsächlich? Sie können das Modell bitten, Lücken in der Beschreibung zu benennen. Die fehlenden Angaben muss anschließend jemand mit Kenntnis des konkreten Problems klären.
Fünf Schritte mit klaren Zuständigkeiten
Der folgende Ablauf übersetzt die iterative Zusammenarbeit aus meinem Beitrag zum KI-Einsatz im Patent- und Innovationsprozess in eine Arbeitsübersicht. Rückfragen können Sie jederzeit zu einem früheren Schritt zurückführen.
| Schritt | Zuständigkeit | Arbeitsgrundlage für den nächsten Schritt |
|---|---|---|
| 1. Problem und Randbedingungen klären | Mensch; KI unterstützt mit Rückfragen | Aufgabenbeschreibung mit Beobachtungen, Ziel, Grenzen und Wissenslücken |
| 2. Varianten entwerfen | KI auf Basis dieser Beschreibung | Unterscheidbare Vorschläge mit Annahmen und offenen Fragen |
| 3. Kritisch auswählen | Mensch mit fachlicher Kenntnis | Begründete Auswahl oder Verwerfung anhand der festgelegten Kriterien |
| 4. Gewählte Idee vertiefen | KI mit menschlicher Rückmeldung | Konzeptentwurf mit vermutetem Wirkprinzip, Voraussetzungen und Prüfbedarf |
| 5. Fachlich prüfen und entscheiden | Mensch; KI kann Prüffragen vorbereiten | Dokumentierter Prüfstand und Entscheidung: weiter untersuchen, überarbeiten oder verwerfen |
Bei der Auswahl zählt, wie ein Vorschlag zur Aufgabe passt. Eine ausführliche Beschreibung allein ist kein Auswahlkriterium. Verstößt eine Variante gegen eine feste Randbedingung, sollte das sichtbar werden. Fehlen Informationen, bleibt die Beurteilung offen.
Auch nach der Vertiefung entsteht zunächst ein Konzeptentwurf. Fragen Sie: Welche Annahme trägt diesen Ansatz? Welche Information fehlt? Was müsste eine fachliche Prüfung zeigen, damit wir weiterarbeiten können? Damit erhält die nächste Entscheidung eine konkrete Grundlage.
Ein hypothetisches Lehrbeispiel: Verzug bei metallischen 3D-Druckbauteilen
Nehmen wir als hypothetische Aufgabe an, ein Entwicklungsteam möchte thermischen Verzug bei metallischen 3D-Druckbauteilen reduzieren. Diese Fragestellung stammt aus einer Beispiel-Promptfolge meines Beitrags. Sie beschreibt hier keinen dokumentierten Versuch und kein nachgewiesenes technisches Ergebnis.
Zunächst müsste das Team klären, welches Verfahren, welches Material und welche Bauteile gemeint sind, wie der Verzug festgestellt wird und welche Änderungen überhaupt untersucht werden können. Solange das offen ist, wäre eine konkrete Prozessstrategie verfrüht.
Die KI könnte danach Suchbegriffe und Fragen für eine Technologierecherche entwerfen. Eine weitere Suchrichtung wäre, nach Umgangsweisen mit thermischer Verformung in anderen technischen Bereichen zu fragen, etwa in der Schweißtechnik. Das wäre ein Auftrag zur Recherche nach möglichen Analogien. Ob die gefundenen Quellen das betreffende Prinzip tatsächlich beschreiben und ob die Bedingungen vergleichbar sind, müsste das Team prüfen.
Wählt das Team eine Analogie zur weiteren Untersuchung aus, kann die KI einen Übertragungsentwurf formulieren: Welche Funktion soll übernommen werden? Welche Voraussetzungen setzt der Entwurf voraus? Wo unterscheiden sich die Anwendungen? Fehlende Angaben bleiben als Fragen stehen.
Für die nächste Entscheidung wären dann Originalquellen, die konkreten Prozessbedingungen und fachliches Urteil nötig. Je nach Ansatz könnten Berechnungen, Simulationen oder geeignete Versuche zur Prüfung gehören. Ohne diese Arbeit lässt sich aus der Promptfolge keine erfolgreiche Kühl- oder Laserstrategie ableiten. Der Nutzen des Beispiels liegt im nachvollziehbaren Weg zur prüfbaren Frage.
Selbstkritik liefert Prüfhinweise, keine Validierung
Ein weiterer Prompt kann die KI auffordern, Schwachstellen ihres Entwurfs zu suchen. Dadurch erhalten Sie möglicherweise zusätzliche Fragen oder Widersprüche, denen Sie nachgehen können. Die Antwort bleibt jedoch eine weitere Modellantwort. Auch eine überarbeitete Variante ist dadurch noch nicht fachlich bestätigt.
Unterscheiden Sie drei Tätigkeiten: Bei der Ideenfindung entstehen mögliche Richtungen. Bei der Ausarbeitung werden Voraussetzungen und Zusammenhänge genauer beschrieben. Bei der Validierung wird geprüft, ob die entscheidenden Aussagen unter den relevanten Bedingungen tragen.
Für die menschliche Prüfung sollten Sie jede tragende Aussage auf eine passende Grundlage zurückführen: eine nachgelesene Quelle, vorhandene Daten, eine überprüfte Berechnung oder ein geeignetes Untersuchungsergebnis. Dokumentieren Sie, wer was geprüft hat und welche Unsicherheit verbleibt. „Klingt plausibel“ und „vom Modell kritisch überarbeitet“ beschreiben noch keinen solchen Nachweis.
Zwei Promptvorlagen für Ihre Weiterarbeit
Die folgenden Vorlagen sind für diesen Artikel formuliert. Sie zeigen mögliche Arbeitsaufträge; ein ausgeführter KI-Lauf oder geprüfter technischer Output wird damit nicht dokumentiert. Ersetzen Sie die Platzhalter durch die für Ihre Aufgabe vorgesehenen Arbeitsgrundlagen.
Sie können diese Vorlage hier bearbeiten und kopieren. Änderungen bleiben in diesem Seitenaufruf.
Prüfen und korrigieren Sie diese Beschreibung, bevor Sie damit Varianten anfordern. So entscheiden Sie selbst, welche Annahmen in die weitere Arbeit eingehen.
Sie können diese Vorlage hier bearbeiten und kopieren. Änderungen bleiben in diesem Seitenaufruf.
Die erste Ausgabe dient Ihrer Auswahl. Erst nach dieser Entscheidung geben Sie die gewählte Variante zur Vertiefung weiter. Den vorgeschlagenen Prüfplan beurteilt anschließend eine fachlich zuständige Person.
Machen Sie die Weiterarbeit im Team nachvollziehbar
Bestimmen Sie, wer die Aufgabe formuliert, wer die Varianten beurteilt und wer die nächste Prüfung übernimmt. Halten Sie Aufgabenbeschreibung, verwendete Grundlagen, relevante KI-Entwürfe und menschliche Entscheidungen zusammen. So kann die nächste Person erkennen, warum eine Richtung verfolgt wurde und worauf sie sich stützt.
Ein kurzer Entscheidungsvermerk reicht als Einstieg: „Diese Variante untersuchen wir weiter, weil …; offen bleibt …; als Nächstes prüft …“. Wenn die Prüfung eine Voraussetzung widerlegt, gehen Sie zur Aufgabenbeschreibung oder zur Variantenauswahl zurück. Auch das begründete Verwerfen einer Idee ist ein Arbeitsergebnis.
Quellen- und Beitragsbezug
Ich bin Mitautor von „Think. Solve. Create.: Patentblockaden smart umgehen mit System und KI“. Dieser Artikel greift aus meinem Beitrag zum KI-Einsatz im Patent- und Innovationsprozess die iterative Zusammenarbeit, die 3D-Druck-Fragestellung und die nachvollziehbare Weiterarbeit im Team auf. Ablaufübersicht und Promptvorlagen sind für diesen Artikel didaktisch aufbereitet.
Die hier beschriebene technische Ideenarbeit ist ein begrenzter Ausschnitt des Innovationsprozesses. Marktprüfung, Produktentwicklung und Einführung benötigen weitere Entscheidungen und Nachweise.